Videographierter Instrumental- und Gesangsunterricht als kollaboratives Lern- und Reflexionstool in der Hochschulausbildung

Video Recordings from instrumental and vocal lessons as reflection and learning tool in Higher Music Education

Das Projekt „Videographie in der Instrumental- und Gesangspädagogik“ ist Teil des Forschungsprojektes „Reflective Practice im Netzwerk IGP“. Es verfolgt das Ziel angehende Instrumental- und Gesangspädagog*innen in der Hochschulausbildung für die Beobachtung, Interpretation, Bewertung und zeitgemäße Weiterentwicklung von Instrumental- und Gesangsunterricht zu sensibilisieren. Videographierter Unterricht stellt hierbei ein praxisnahes Kommunikations- und Reflexionstool zur Frage „Was ist guter Unterricht?“ dar.

Ein Kriterientool bzw. Kompetenzkatalog mit dem Arbeitstitel „Multipaper IGP“, welches derzeit am Fachbereich IGP entwickelt wird, gibt eine fachdidaktische Grundlage für den gemeinsamen Austausch. Dieses „Multipaper IGP“ soll für die Vielfalt an Kompetenzen in den vier Bereichen (künstlerische, didaktisch-methodische, sozial-kommunikative und Selbst-Kompetenzen) Orientierung geben und die instrumental- und gesangspädagogische Aus- und Weiterbildung weiterhin professionalisieren.

Der Critical Response Process (Lerman & Borstel, 2003)wird als kollaboratives Reflexionstool verwendet, um ethische Grundsätze in der Interpretation und Bewertung der Daten zu beachten. Hierzu gehören ein selbstbestimmtes Lernen, verantwortungsvolles und wertschätzenden Handeln, die Berücksichtigung von Mehrdeutigkeit, Empathie, Reflexivität und Diversität nach den Prinzipien des Responsible Research and Innovation (RRI).2  

Die Forschungsfragen beziehen sich auf drei Bereiche: Erstens: in welcher Weise wird das Beobachtungstool „Multipaper IGP“ in der Entwicklung eines eigenen individuellen Lehrendenprofils als unterstützend gesehen  und selbstbestimmt in den Lernprozess eingebunden? Zweitens: welche ethischen Grundsätze ergeben sich im Umgang mit Unterrichtsvideos bzw. videografierten Unterrichtssequenzen in der Lehre und Praxis?  Drittens: wie wird der gemeinsame Austausch unter den Studierenden nach den Prinzipien des Critical Response Process erfahren?

Die Datenerhebung bezieht videographierten Unterricht sowie schriftliche Reflexionen und Fokusgruppendiskussionen ein. Das Forschungsprojekt wurde vom Ethik-Beirat im Hinblick auf ein verantwortliches und moralisch unbedenkliches Handeln für alle Teilnehmenden im SS 2021 (Studierende im Masterstudium mit ihren Schüler*innen im Instrumental- und Gesangsunterricht) als unbedenklich eingestuft.  Schließlich ist es unser Ziel, das Bewusstseins für Datenschutz und berufsethisches Handeln im Umgang mit Unterrichtsvideos zu stärken und Empfehlungen für Instrumental- und Gesangslehrkräfte im ethisch vertretbaren Einsatz von Videographie zu vermitteln, um zu einer entsprechenden Praxis anzuleiten.

Das Projekt „Reflective Practice im Netzwerk IGP“ ist ein Teilprojekt einer Forschungskooperation des Wissenstransferzentrums (WTZ) Süd, die von der Austria Wirtschaftsservice GmbH aus Mitteln der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung (Österreich-Fonds) gefördert wird. 

Für weitere Informationen stehen Prof. Dr. Silke Kruse-Weber (Leitung des Projektes) sowie Ass. Prof. Elizabeth Bucura, Univ. Ass.innen Margareth Tumler und Marta Mellàr-Gashi und Projektassistentin Francesca Agostinis, gerne zur Verfügung.


1 Lerman, L. & Borstel, J. (2003). Critical response process. Takoma Park, MD: Dance Exchange.

2 Siehe hierzu “Digital ethics in practice: Implementing ethical principles to guide use of video recordings in higher music education” (Elizabeth Bucura and Silke Kruse-Weber) zur STS Conference Graz 2021 "Critical Issues in Science, Technology and Society Studies". Institute of Interactive Systems and Data Science, University of Technology Graz.

Graz 25.05.2021