Fallstudie von Musiklehrer*innen-Teams in Bläser-/Chorklassen

Thema und Ziel der Forschung
Seit August 2020 läuft das Hertha-Firnberg-Projekt, das Dr. Julia Wieneke beim FWF eingeworben hat. Die Studie zielt darauf ab, die Zusammenarbeit von Musiklehrkräften und Instrumental-/Gesangslehrkräften in Klassenmusizierkonzepten in Österreich besser zu verstehen. Diese Klassenmusizierkonzepte werden in der Regel als Bläser-, Chor- oder Streicherklassen bezeichnet. Es gab bereits einige Forschung in Deutschland, in denen Aspekte der Zusammenarbeit im Rahmen größerer Fragestellungen untersucht wurden, aber in Österreich sind sie  bisher nur wenig erforscht.


Interventionsstudie
Im Rahmen der Studie wird im Schuljahr 2021/22 eine Intervention in Form einer einjährigen Lehrerfortbildung für die teilnehmenden Lehrkräfte durchgeführt. Diese wird begleitend beforscht. Zwei externe Moderator*innen leiten die Weiterbildung, deren Inhalt gemeinsam mit der Projektleiterin entwickelt wird. Die Fortbildung wird wichtige Themen In Bezug auf Zusammenarbeit, Unterrichtsplanung und -auswertung enthalten, wird aber auch genügend Platz lassen für Austausch zwischen den Teilnehmer*innen und auf ihre Wünsche und Bedürfnisse im Verlauf des Schuljahres eingehen. Die Untersuchung nimmt die individuellen Lehrpersonen mit ihren Einstellungen und Ansichten zur Zusammenarbeit sowohl in der Unterrichtsvor- und -nachbereitung, als auch im Unterricht selbst in den Blick. Ziel ist es besser zu verstehen, ob und wie sich die Einstellungen der Lehrkräfte im Laufe des Schuljahres verändern. Die Frage ist auch, ob die Teilnahme an dem Fortbildungsangebot zu einer Veränderung der Teamarbeit allgemein oder des Co-Teachings im Unterrichts selbst führt. Mögliche positive Faktoren der Fortbildung könnten in der Folge auf andere Kontexte übertragen werden.


Teilnehmer*innen
Die Teilnehmer*innen werden aus vier Teams mit je einer Musiklehrkraft und einer Instrumental/Gesangslehrkraft bestehen, die gemeinsam in Bläser- oder Chorklassen unterrichten und die an der 10-tägigen Lehrerfortbildung teilnehmen.


Datenerhebung und Methoden
Es werden überwiegend qualitative Forschungsmethoden eingesetzt, darunter Einzelinterviews mit jeder*m Teilnehmer*in, Fokusgruppen, Tonaufnahmen von Planungstreffen und Videoaufnahmen des Unterrichts – jeweils vor, während und nach der Weiterbildung. Alle Teilnehmer*innen, einschließlich der Schüler*innen, werden zu verschiedenen Zeitpunkten kurze Fragebögen ausfüllen. Einige zusätzliche Interviews mit Schüler*innen werden geführt um herauszufinden, ob sie eine Veränderung im Unterrichtsgeschehen und dem Co-Teaching der Lehrkräfte wahrgenommen haben. Die Interviews und das Material aus den Aufnahmen wird mit Hilfe von Software transkribiert und analysiert, die Auswertung wird anhand der Grounded Theory Methodologie vorgenommen. Am Ende der Studie soll es möglich sein, die Sichtweisen und Einstellungen der einzelnen Teilnehmer*innen zu Fallbeschreibungen zu verdichten. Außerdem kann die Studie Erkenntnisse über die Wirkung von Lehrerfortbildungen in der Musikpädagogik liefern. Damit kann sie Impulse für die Entwicklung zukünftiger Weiterbildungsangebote sowie für die universitäre Ausbildung von Musiklehrkräften geben.


Zugehörige Publikationen

Wieneke, J. (in Druck). Perceptions of collaboration in Austrian whole class ensembles – A qualitative study of four music teachers. In C. Gluschankof, A. Ehrlich & D. Treacy (Hrsg.), Finnish Journal of Music Education.

Wieneke, J. (2020). Kooperationsformen im Klassenmusizieren – Einblicke in Forschung und Praxis. Erziehung und Unterricht, 170(5+6), 452-460.

Wieneke, J. & Spruce, G. (2020). Tales of change: Effective professional development in two post-reform educational contexts. Arts Education Policy Review, 1-16. doi: 10.1080/10632913.2020.1768188

Wieneke, J. (2018). Improving multi-professional music teacher collaboration through professional learning communities. In R. Kanteruka (Hrsg.), EAS Conference 2018: Competences in Music Education (S. 82). Jelgava: Jelgavas tipogrāfija.